HowTo: Gewitterblitze fotografieren

Das Fotografieren von Blitzen ist mit dem richtigen Equipment eigentlich eine relativ unspektakuläre Sache.
Da viele allerdings glauben, man muss nach dem Gewitterblitz „jagen“, will ich hier die Möglichkeiten zur Blitzfotografie erläutern.

Zuerst: Was brauchen wir?

Als Erstes sollten wir uns ansehen, von wo unser Gewitter kommt, um zu sehen, in welche Richtung das Aufstellen am Sinnvollsten ist.
Hierzu kann man z.B. eine Blitzortungs-Seite nutzen. Zu Hause weiß man meistens die „Wetterseite“ (also von wo das Gewitter häufig kommt) auch so (bei mir: Westen).

Danach stellen wir unsere Kamera mit Stativ an einem geschützten Ort auf, am besten eignet sich dazu ein Carport, ein Vordach oder eine Loggia. Möglich wäre auch ein Zelt oder Ähnliches, Hauptsache die Kamera bleibt trocken. (Gute Plätze können z.B. sein: Überdachte Bushaltestellen, Vordächer von Geschäften und Einkaufszentren, ggf. auch überdachte Mülltrennstellen bei Mehrparteienhäusern).

ISO 200
ISO-Empfindlichkeit: 200 (mit Tonwertpriorität)

Bei den Einstellungen ist es generell wichtig, die ISO so weit wie möglich nach unten zu stellen (ISO 100-200) und die Fokussierung des Objektivs auf unendlich zu stellen.

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Fokusring auf Unendlich gestellt

(Hier hilft ein Objektiv mit einem beschrifteten Fokusring).

Da wir die Fokussierung manuell auf unendlich gestellt haben, sollten wir ebenfalls den Autofokus deaktivieren, indem wir den Schieber am Objektiv auf „MF“ stellen.

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MF = Manual Focus
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Rauchreduzierung bei Langzeitbelichtung deaktiviert

Auch sollte man vorher die Rauschreduzierung für Langzeitbelichtungen deaktivieren in den Einstellungen, da diese nach jedem Bild ein weiteres Dunkelbild macht. Das Dunkelbild dauert genauso lang wie das Blitzbild, führt aber zu keinem zusätzlichen Foto, sondern wird nur mit dem Bild gegengerechnet. Damit vermeidet man zwar Hot-Pixel, allerdings könnte es dadurch sein, dass man Blitze verpasst.


Kameraeinstellungen Variante 1 im M-Modus:

Eine relativ lange Belichtungszeit (10-15 Sekunden) ist von Vorteil, wenn es eher weniger blitzt, bei hoher Blitzrate sollte man die Zeit entsprechend kürzer wählen, weil man sonst zu viele Blitze auf einem Bild hat, was schnell zu einer Überbelichtung führen kann.

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Verschlusszeit: 10 Sekunden

Wenige Blitze pro Bild sind sinnvoller, am besten ein Blitz pro Bild, diese kann man dann mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf ein Bild zusammenlegen, wenn es eindrucksvoller aussehen soll.

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Blende f/11

Die Blende stellt man sich so ein, dass das Bild eher unterbelichtet ist (-1 bis -3). Je nach Situation kann es sein, dass man einen Graufilter benötigt, meistens ist es jedoch Dunkel genug, um ohne zu fotografieren.


Kameraeinstellungen Variante 2 im Tv-Modus (Nikon: S-Modus):

Wem das Spielen mit der Blende zu viel Arbeit ist, der kann auch den Tv-Modus (Blendenautomatik, man wählt die Zeit aus und die Blende wird automatisch von der Kamera ausgewählt) verwenden.

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Zeit auf 10 Sekunden und Belichtung auf -2 fix eingestellt. Die Blende wählt automatisch die Kamera aus.

Hier wählt man wieder einen Zeitrahmen, in dem etwa 1 Blitz kommt (z.B. 10-15 Sekunden) und wählt eine Belichtung zw. -1 und -3.


Nun stellen wir noch die Kamera auf den Serienbildmodus, stecken die Kabelfernbedienung an und fixieren den Auslöser, sodass er dauerhaft gedrückt bleibt.

Eine weitere Möglichkeit wäre, auf der Kamera den Selbstauslöser mit einer definierten Anzahl von Serienbildern einzustellen (dies ist nicht auf allen Kameras möglich)

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Selbstauslöser mit Reihenaufnahme

Nun kann man nur noch abwarten, bis die Blitze kommen, ich stehe meistens daneben und löse nach einem Blitz den Auslöser um das Blitzbild gleich am Display kurz zu begutachten (bin halt doch sehr neugierig)


Für die volle Kontrolle: Kameraeinstellungen Variante 3 mit BULB-Modus:

Der BULB-Modus hat den Vorteil, dass wir die Zeit frei wählen können und so auf einzelne Blitze reagieren können. Nachteil hier ist, dass es leicht zu Über- oder Unterbelichtung kommen kann (Unterbelichtung ist hier meistens kein Problem, da Blitze sowieso sehr hell sind.)

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BULB-Modus: Es muss nur die Blende ausgewählt werden.

Im BULB-Modus wählen wir einfach nur die Blende aus, eine hohe Blendenzahl ist hier von Vorteil, damit das Bild nicht zu schnell überbelichtet wird. In diesem Modus muss man nur noch den Auslöser gedrückt halten, warten bis es blitzt und danach den Auslöser loslassen. Ggf. zwischendurch kurz loslassen, um ein neues Bild zu beginnen, damit es nicht überbelichtet wird. Auch hier ist eine Kabelfernbedienung von Vorteil, da man so Verwacklungen verhindern kann.

Ein gelungenes Gewitterblitz-Bild kann dann so aussehen, wie mein Bild des Monats vom August 2012:

August-2012
Bild des Monats August 2012

Einfach anders!